Freitag der 13. Glückstag oder angesagte Katastrophe

Der Aberglaube rund um Freitag den 13. ist kein einzelnes historisches Ereignis, sondern das Ergebnis der Überlagerung zweier symbolisch „negativer“ Traditionen: der Zahl 13 und des Freitags. Erst in der Neuzeit wurden beide Motive kombiniert.
1. Die „unglückliche“ Zahl 13
Die 13 galt in vielen europäischen Traditionen als Störzahl, weil sie die symbolisch „vollkommene“ 12 überschreitet (12 Monate, 12 Tierkreiszeichen, 12 Apostel).
Christliche Tradition
- Beim Letzten Abendmahl saßen 13 Personen am Tisch – der Verräter Judas soll der 13. gewesen sein.
- In mittelalterlicher Volksfrömmigkeit galt eine Tischgemeinschaft von 13 Personen als Unglückszeichen.
Nordische Mythologie
- In einer Überlieferung aus der Edda erscheint Loki als 13. Gast eines Göttermahls und verursacht den Tod Balders.
Diese Motive verstärkten die Vorstellung, dass 13 eine „Unheilszahl“ sei.
2. Der „unglückliche“ Freitag
Auch der Freitag hatte im christlichen Europa einen ambivalenten Ruf:
- Der Kreuzigungstag Jesu soll ein Freitag gewesen sein.
- Im Mittelalter galt Freitag teilweise als ungünstiger Tag für wichtige Vorhaben (Reisen, Hochzeiten, Geschäftsabschlüsse).
3. Der Templer-Mythos (oft genannt, aber historisch sekundär)
Am Freitag, dem 13. Oktober 1307, ließ der französische König Philipp IV. zahlreiche Mitglieder des Templerordens verhaften.
Dieser Vorfall wird häufig als Ursprung genannt. Historisch lässt sich jedoch nicht belegen, dass daraus unmittelbar der Aberglaube entstand. Die Verbindung wurde vermutlich erst viel später populär.
4. Moderne Popularisierung
Die konkrete Kombination „Freitag der 13.“ wurde erst im 19. Jahrhundert literarisch verbreitet. Eine große Rolle spielte der Roman:
- Friday, the Thirteenth (1907) von Thomas W. Lawson.
Im 20. Jahrhundert verstärkte die Popkultur den Mythos, insbesondere durch die Horrorfilmreihe:
- Friday the 13th
Erst dadurch wurde „Freitag der 13.“ global als Unglückstag wahrgenommen.
Fazit
Der Glaube an Freitag den 13. ist:
- keine antike Tradition
- keine klar belegte mittelalterliche Erfindung
- sondern eine neuzeitliche Kombination älterer Symboliken, die durch Literatur und Film stark verstärkt wurde.
In anderen Kulturen gelten ganz andere Zahlen als Unglückszahlen
Unglückszahlen entstehen kulturhistorisch nicht zufällig, sondern durch Sprachstruktur, Religionssymbolik, numerologische Systeme und historische Ereignisse. Zahlen erhalten ihre Bedeutung durch kollektive Deutung – nicht durch eine inhärente Eigenschaft.
Im Folgenden die wichtigsten Mechanismen mit Beispielen:
1. Sprachliche Ähnlichkeit (Phonetik)
Der häufigste Grund weltweit
Wenn eine Zahl ähnlich klingt wie ein negativ besetztes Wort (z. B. „Tod“), entsteht leicht ein Aberglaube.
Ostasien – Zahl 4
In China, Japan und Korea klingt die Zahl 4 ähnlich wie das Wort für „Tod“.
- In Mandarin: „sì“ (4) ≈ „sǐ“ (Tod)
- In Japanisch: „shi“ (4) = „shi“ (Tod)
Daher:
- Kein 4. Stock in vielen Gebäuden
- Krankenhauszimmer ohne 4
- Telefonnummern ohne 4 sind teurer
→ China
→ Japan
→ South Korea
Das ist ein rein linguistisches Phänomen.
2. Religiös-symbolische Deutung
Italien – Zahl 17
In Italien gilt 17 als Unglückszahl.
Begründung:
- Die römische Zahl XVII lässt sich zu „VIXI“ umstellen.
- „Vixi“ bedeutet im Lateinischen: „Ich habe gelebt“ – also „Ich bin tot“.
Daher fehlt in manchen Hotels die Zimmernummer 17, ähnlich wie in den USA oft die 13 fehlt.
3. Historische Traumata
Zahlen können durch reale Ereignisse negativ besetzt werden.
Beispiel:
- In den USA ist neben 13 auch die 9/11-Datierung stark symbolisch aufgeladen.
Hier ist nicht die Zahl an sich „magisch“, sondern das kollektive Gedächtnis wirkt symbolbildend.
4. Numerologische Systeme
In vielen Kulturen existieren Zahlenmystiken:
- 12 steht oft für Ordnung (Monate, Tierkreis)
- 13 bricht dieses System → „Störzahl“
- 8 gilt in China als Glückszahl, weil sie ähnlich klingt wie „Wohlstand“
Hier sieht man:
Glück und Unglück sind oft Spiegelbilder desselben Mechanismus.
5. Soziale Verstärkung (Selbsterfüllende Prophezeiung)
Wenn eine Gesellschaft eine Zahl meidet:
- entstehen reale wirtschaftliche Effekte (z. B. Immobilienpreise, Flugnummern)
- Medienberichte verstärken die Wahrnehmung
- Einzelne negative Ereignisse werden selektiv erinnert
Das ist ein klassischer Bestätigungsfehler (confirmation bias).
Systematische Einordnung
| Ursache | Beispiel | Mechanismus |
|---|---|---|
| Phonetik | 4 in Ostasien | Klangähnlichkeit mit „Tod“ |
| Symbolik | 13 im Christentum | Bruch der 12er-Ordnung |
| Anagramm | 17 in Italien | XVII → VIXI |
| Historisches Ereignis | 9/11 | kollektives Trauma |
| Numerologie | 8 in China | Klangähnlichkeit mit „Reichtum“ |
Kernprinzip
Zahlen sind abstrakt.
Ihre Bedeutung entsteht durch:
- Sprache
- religiöse Narrative
- kulturelle Ordnungssysteme
- historische Erinnerung
- psychologische Mustererkennung
Der Mensch konstruiert Symbolik – und stabilisiert sie sozial.
